Teil 3: Grundlagen Taktik im Doppel – Positionsspiel
Hier zeigen wir dir, wie du dich mit einem Partner in einem Doppel Match 2 gegen 2 richtig behauptest. Badminton Taktik geht in die dritte Runde. Taktisches Grundlagenwissen im Doppel ist kein Hexenwerk. Befolgst du ein paar einfache Regeln, kannst du schon als Anfänger den entscheidenden Unterschied ausmachen.
Das Doppelspiel zählt zu der beliebtesten Disziplin im Badminton. Man kann richtig draufhauen und spart sich einen großen Teil der Lauferei. Zudem steht man nicht alleine auf dem Feld und hat so die Möglichkeit die Schuld auf seinen Partner abzuwälzen. Letzteres sollte allerdings behutsam gemacht werden, es könnte sich sonst als sozial unverträglich herausstellen, es geht uns ja um den Spielspaß.

Chaos im Doppelspiel
Das Badminton-Doppel unterscheidet sich in seiner Spielweise sehr stark dem Einzelspiel. Im Einzel seid ihr ganz auf euch allein gestellt. Im Doppel ist da plötzlich eine zweite Person. Das kann, aber muss kein Vorteil sein. Je nachdem wie gut du dich mit deinem Doppel-Partner verstehst, kann das Ganze aber auch schnell im Chaos enden. Ohne die richtige Taktik ist euch euer Gegner meilenweit überlegen.
Wie wichtig es ist die Grundlagen im Doppel zu kennen, haben wir mittlerweile schon in einigen Schleifchen Turnieren zu spüren bekommen. In einem solchen Turnier bekommst du einen zufälligen Mitspieler an deine Seite gestellt. Im besten Fall hast du deinen Partner vorher noch nie gesehen. Du kannst seine Fähigkeiten nicht einschätzen und dank fehlender Absprachen endet euer Spiel schnell im Chaos. Man traut sich nicht so recht zum Ball zu laufen, läuft gegeneinander und im schlimmsten Fall wird man verletzt oder zerstört sich bei einem Zusammenstoß seinen Schläger… R.i.P. mein geliebter Powerblade.
Aus diesen Gründen, der erste und wichtigste Tipp überhaupt:
Lerne deinen Mitspieler so gut wie es geht kennen und klärt, wer von euch beiden das Spiel anführt. Aufgabenverteilung ist das Zauberwort. Es ist Gold wert, wenn einer sagt, wo es langgeht. Zu klären sind:
- Wer ist wann für welche Spielfeldhälfte verantwortlich?
- Wie können die Stärken beider Spieler optimal genutzt werden? (s. z.B. Mixed Doppel)
Die zweite Direktive im Doppel lautet:
- Angriff, Angriff, Angriff! Initiativen ergreifen und niemals einen Angriff auslassen.
- Jeder Ball sollte so gespielt werden, dass die Gegenseite ihn möglichst nur unter der Netzkante annehmen kann und damit heben muss. Das wird dadurch erreicht, dass Smashangriffe immer vom hinteren Spieler auf den vorderen Gegner geschlagen werden.
- Das Anvisieren eines Punktes zwischen beiden Gegenspielern führt oft zu Verwirrung. “Wer nimmt den Ball an”.
Das Zauberwort “Positionsspiel”
In “Taktik im Einzelspiel” haben wir gelernt wie wichtig die Zentralposition beim Badminton ist. Im Doppel ist das etwas anders; Positionsspiel ist für die Koordination untereinander ein wichtiges Stichwort. Durch den zweiten Spieler haben wir keine direkte Zentralposition mehr, aber es gibt auch hier Regeln und Verhaltensweisen die wir uns antrainieren können.
Lies dir am besten nochmal den Rest dieses Absatzes durch und dann schau dir das Video nochmal genau an. Achte dabei auf das gelesene.
Angriff und Verteidigung
Prinzipiell unterscheidet man im Doppel zwischen zwei Grundaufstellungen; Angriff (rot) und Verteidigung (blau). In der Verteidigung stehen beide Spieler nebeneinander, im Angriff hintereinander. Die Gegenseite pariert die Stellung mit dem jeweiligen Gegenwert. Die nachfolgende Grafik zeigt dir, wie das aussehen kann:

Im Angriff sprechen wir vom Spiel hintereinander:
Der vordere Spieler steht hinter der Aufschlaglinie und versucht kurze Bälle zu töten. Der hintere Spieler deckt den hinteren Spielfeldbereich ab und versucht mit Angriffsschlägen Druck auszuüben. Er muss dabei allerdings das komplette hintere Spielfeld abdecken, was gerade für Verteidigungszwecke zu Problemen führen kann.
Dazu kommt das Spiel nebeneinander:
Hier sprechen wir von der Verteidigungshaltung. Jeder Spieler deckt dabei seine Spielfeldseite ab. Das Feld ist optimal abgedeckt, allerdings lassen sich aufgrund der Laufwege vorn/hinten schwieriger Angriffe ausführen. Der Bereich zwischen den Spielern ist gerade bei Anfängern oder Spielern die nicht miteinander eingespielt sind eine kritische Zone.
Der Wechsel von Angriff in Verteidigung erfolgt dabei Situationsabhängig. In der Regel versucht ihr im Spielaufbau die Gegenseite zu einem hohen Ball zu zwingen, um mit einem Angriffsschlag in die Offensive zu wechseln. Hier geht ihr in den Angriff. Genau so kann dieses Vorgehen gespiegelt werden, sowie deine Seite dem Gegner einen Angriffsschlag ermöglicht.
Kompassdenken
Du fragst dich jetzt sicher was ein Kompass mit Badminton Taktik oder Positionsspiel zu tun hat? Ganz einfach, der Kompass zeigt dir, wo du dich auf deiner Spielfeldseite hinbewegen musst. Gerade für Anfänger ist dies eine leicht zu erlernende Technik und sollte als Grundlage für weitere Verhaltensweisen antrainiert werden.
Um möglichst immer das ganze Spielfeld abdecken zu können, bewegen sich beide Spieler wie die Enden einer Kompassnadel. Dabei passt sich der hinten stehende Spieler immer dem Vordermann an. Denn dieser hat natürlich keine Augen im Hinterkopf.
Es gilt trotzdem vordergründig die Gegenspieler und den Ball zu beobachten. Aber im Doppel seid ihr zusätzlich gezwungen auf euren Mitspieler zu reagieren. Wie gut das Ganze dann in einer stressigen Spielsituation funktioniert sei nochmal dahingestellt. Aber es wird dir helfen, nicht mit deinem Mitspieler zu kollidieren und ihr habt so eine gute Feldabdeckung.
Besonderheit im Mixed Doppel
Im Themengebiet Badminton Taktik kann es im gemischten Doppel zwischen Mann und Frau einen Unterschied zum gleichgeschlechtlichen Doppelspiel geben. Hier gibt es eine ganz klassische Rollenverteilung. Da der Mann meist mehr Kraft und die Frau bessere Reaktionszeit besitzt, geht man davon aus, dass die Frau (rot) im Angriff überwiegend den vorderen Teil des Spielfeldes und der Mann (grün) den hinteren Teil abdeckt. Dadurch ergibt sich folgende theoretische Feldabdeckung:


1. Spieleröffnung
- Aufschlag-, Return und erster Ballwechsel.
- Das Spiel erfolgt möglichst tief, knapp oberhalb der Netzkannte.
2. Übergang – Kampf um den Angriff
- In der Übergangsphase erarbeitet sich eine der beiden Seiten den Angriff.
- Beide Seiten versuchen die Gegner durch flache und schnelle Schläge zu einem möglichst unkontrollierten hohen Ball zu zwingen, um so selbst in den Angriff zu kommen.
- Übergangsphasen entstehen während eines Ballwechsels immer wieder. Hat man die Übergangsphase gewonnen, wird der Angriff vorbereitet.
3. Angriffsvorbereitung – unter Druck setzen des Gegners
- Die Positionen der Übergangsgewinner wechselt in den Angriff.
- Die Angriffsvorbereitung erfolgt dann im optimalen Fall in 3 Schritten:
- Bewegung – die Gegenspieler durch bewegungsintensives Spielen unter Druck setzen
- Winkel – für die Gegenseite ungünstige (möglichst tiefe) Trefferpunkte aus dem eigenen Hinterfeld erzeugen
- Härte – durch Ballgeschwindigkeit und direkte Angriffe Druck erzeugen und so versuchen, den eigenen Netzspieler ins Spiel zu bringen, damit dieser eine höhere Chance hat zu Punkten.
4. Abschluss – Punkt erspielen
Der Aufschlag im Doppel
Mit dem Aufschlag kann man im Doppel das Spiel schon taktisch eröffnen. Die Bedeutung von Angriff und Verteidigung haben wir bereits gelernt. Wir wissen, dass wir generell im Angriff spielen wollen. Das bedeutet, dass der Aufschlag eigentlich schon aggressiv erfolgen muss. In der Regel spielt man im Doppel kurze Aufschläge. Dazu stehen uns zwei Varianten zur Verfügung, nach denen wir uns schon als Aufschlag ausführende Seite optimal Positionieren können.
- Kurzer Aufschlag
Der Aufschläger bleibt vorne stehen. Der Mitspieler wechselt ins Hinterfeld. - Swipe Aufschlag (langer Aufschlag)
Der Aufschläger ist für seine Spielfeldseite zuständig. Das Positionsspiel geht für das aufschlagende Team in die Verteidigungsstellung.